Archive für August 2007

Wenn der Nordic Walker über uns lächelt

Senioren

Präventive Bewegung für eine alternde Gesellschaft

Sie werden belächelt und haben doch selber gut lachen. In jedem Park begegnen uns die häufig schon etwas in die Jahre gekommenen Herrschaften mit ihren Langlaufstöckchen und machen dabei vielleicht nicht immer eine gute Figur. Aber sie haben erkannt, dass der Körper Bewegung braucht, um auch im Alter vital und aktiv zu bleiben.

Älter werden ist keine Krankheit

Die Deutschen werden immer älter. Die Lebenserwartung liegt aktuell bei 76,6 Jahren für Männer und 82,1 Jahren für Frauen. Tendenz steigend. Mit dem Altern sind körperliche Veränderungen verbunden. So nehmen z. B. die Kraftfähigkeiten von der Pubertät bis ins hohe Alter um 30-40 % ab oder die Ausdauerfähigkeiten vom 25. bis zum 60. Lebensjahr um 20-30 %. Auch Beweglichkeit und Koordination lassen deutlich nach. Die Folgen sind hinlänglich bekannt. Insbesondere durch Bewegungsmangel werden diese Prozesse noch gefördert.

Handlungsfähig bleiben

Im Gegensatz zu dem natürlichen Alterungsprozess steht der Wunsch der Menschen, auch ihre besten Jahre noch aktiv zu gestalten. „Vorbeugende Bewegung ist der ideale Weg.“ so Thomas Parizek, vom Familien Fitness Center Haan - Gruiten: „Durch gezielte Bewegungsprogramme können die Alterungserscheinungen deutlich reduziert werden. Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination sind bis ins hohe Alter trainierbar. Je früher man beginnt, desto besser.“ Ziel ist dabei nicht, maximale Leistungen zu erbringen, sondern alltagstauglich zu sein und Erkrankungen vorzubeugen. „Hinzu kommt die psychische Komponente. Stress abbauen, Stärkung der Konzentrationsfähigkeit und Freude an der Interaktion mit Gleichgesinnten.“ so Thomas Parizek.

Fitness-Clubs und Sportmediziner als Kompetenzträger

Neben den klassischen Bewegungsformen wie Tanzen, Wandern oder Schwimmen und neuen Trends wie Nordic Walking bieten moderne Fitness-Clubs sehr gute Voraussetzungen. „Gerade ältere Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensläufen brauchen eine intensive Betreuung.“ erklärt Sportwissenschaftler Dr. Andreas Greiwing aus Münster. „Auf der Basis einer genauen Analyse der Voraussetzungen müssen individuelle Programme erarbeitet werden. Eventuell sollte auch eine sportmedizinische Leistungsdiagnostik erfolgen. Moderne Fitness-Clubs bieten die technischen Voraussetzungen genau entsprechend der Leistungsfähigkeit zu trainieren.“ Wichtig ist dem Krafttrainingsexperten auch die regelmäßige Kontrolle der Trainingsintensitäten. Eine regelmäßige Anpassung der Belastung ist notwendig um sowohl eine Unterforderung als auch eine Überbelastung zu vermeiden.“Der Mensch bewegt sich nicht weniger, weil er alt wird. Er wird alt, weil er sich weniger bewegt. Also beweg’ dich!” (Gustav-Adolf Schur (*1936), dt. Radrennfahrer)

„Wie fit sind Sie wirklich?“

Titelmotiv FIDeutsche Sporthochschule unterstützt Fitness-Initiative
Prof. Dr. Jens Kleinert im Gespräch

Red.: „Herr Prof. Kleinert, die Deutsche Sporthochschule ist Partner der bundesweiten Fitness-Initiative “Wie fit sind Sie wirklich?”. Wieso machen Sie sich für das Training in einem Fitness-Club stark?“
Kleinert: „Aktuell wird viel über das Thema „dicke Deutsche“ gesprochen. Bewegungsmangel ist eine der Hauptursachen. Die Politik berät über Programme und alle suchen nach Lösungen des Problems. Die Initiative „Wie fit sind Sie wirklich?“ ist bereits eine mögliche Lösung. Sie will Menschen motivieren, Sport zu treiben und damit präventiv etwas für die Gesundheit zu tun.“
Red.: „Wen möchten Sie mit der Fitness-Initiative erreichen?“
Kleinert: „Grundsätzlich ist das Programm für fast jeden interessant. Hauptzielgruppe sind jedoch untrainierte Menschen, die nicht körperlich aktiv sind. Gerade diesen Menschen möchten wir aufzeigen, dass Sport und Bewegung gut tut. Und das sich schon in kurzer Zeit Erfolge erzielen lassen.“
Red.: „Wie sieht das Programm genau aus?“
Kleinert: „Zu Beginn des Programms wird der aktuelle Fitness-Stand der Teilnehmer und Teilnehmerinnen ermittelt. Wir haben dazu beratend bei der Entwicklung des Persönlichen Fitness-Index (PFI) mitgewirkt, der die Ergebnisse von 10 Fitness-Tests in einem Wert bündelt. Die Tests sind ganz einfach und für jeden durchführbar. Danach erhält der Teilnehmer ein individuelles 5-Wochen-Programm entsprechend seiner Ziele. In einem Abschlusstest wird dann der Erfolg ermittelt und weiterführende Maßnahmen besprochen.
Red.: „ Dann ist nach den 5 Wochen nicht Schluss?“
Kleinert: „Wir wollen Menschen langfristig für ein aktives, gesundes Leben begeistern. Nur wer aktiv bleibt, hat auch dauerhaft Erfolg. Hilfestellungen für die Zeit nach den 5 Wochen sind für uns daher besonders wichtig.“
Red.: „Das Programm wird in Fitness-Clubs durchgeführt. Sind die der richtige Partner?“
Kleinert: „Professionelle Fitness-Clubs bieten sehr gute Voraussetzungen. Sie verfügen über moderne Trainingsgeräte und Kursangebote, die eine individuelle Belastung der Teilnehmer und Teilnehmerinnen ermöglichen. In den lizensierten Clubs arbeiten darüber hinaus qualifizierte Fachkräfte, die für die Umsetzung zuständig sind.“
Red.: „Sie führen im Rahmen der Initiative eine Online-Studie durch. Welche Ziele verfolgen Sie damit?“
Kleinert: „Uns interessiert, was Menschen motiviert ein Bewegungsprogramm aufzunehmen, welche positiven Wirkungen sie selbst an sich spüren und einschätzen und ob sie auch dauerhaft etwas an ihrem Lebensstil verändern. Wir werden eine Referenzgruppe auch weit über die 5 Wochen des Programms hinaus beobachten. Wir erhoffen uns dadurch wichtige zukunftsweisende Informationen für die nachhaltige Gestaltung von Präventionsangeboten.“
Red.: „Wann erwarten Sie erste Ergebnisse?“
Kleinert: „Um valide Aussagen treffen zu können, brauchen wir möglichst viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen an der Initiative. Ende des Jahres werden wir schon erste Erkenntnisse haben.“
Red.: „Vielen Dank für das Gespräch!“

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